Das Ende und der Anfang

Von der Sachleistung zum persönlichen Budget

Manchmal braucht es einen einzigen Menschen, um die eigene Sicht auf die Welt grundlegend zu verändern. Für uns war dieser Mensch Paul Schmidt. Seine Geschichte, sein Wunsch nach Selbstbestimmung und seine Erfahrungen mit der Pflege haben entscheidend dazu beigetragen, dass es das persönliche Budget mit der Ostsee Intensivpflege heute gibt.

Paul – Ein junger Mann voller Lebenswillen

Paul Schmidt war gerade einmal 17 Jahre alt, als er die Diagnose Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) erhielt. Eine unheilbare Erkrankung des Nervensystems, die nach und nach die Kontrolle über die Muskulatur nimmt.

Doch Paul war weit mehr als seine Diagnose. Er war ein junger Mann mit einer großen Leidenschaft für Musik, Fotografie und das Leben. Trotz seiner fortschreitenden Erkrankung wollte er seine verbleibende Zeit nicht einfach nur verbringen, sondern aktiv gestalten. Er wollte selbst entscheiden, mit welchen Menschen er sich umgab, wie sein Alltag aussah und was Lebensqualität für ihn bedeutete.

Wenn die klassische Pflege an ihre Grenzen stößt

Mit dem Fortschreiten seiner Erkrankung wurde Paul zunehmend auf umfassende Unterstützung und schließlich auf eine intensive pflegerische Versorgung angewiesen.

Die Organisation dieser Versorgung über einen klassischen Pflegedienst brachte jedoch Schwierigkeiten mit sich. Denn was auf dem Papier als professionelle Versorgung funktioniert, muss noch lange nicht den persönlichen Bedürfnissen eines Menschen gerecht werden.

Gerade bei einer Versorgung rund um die Uhr spielt es eine entscheidende Rolle, wer die Pflege übernimmt. Pflegekräfte werden zu einem festen Bestandteil des persönlichen Lebens. Zwischenmenschliche Beziehungen, Vertrauen und die Möglichkeit, den eigenen Alltag mitzugestalten, sind deshalb mindestens genauso wichtig wie die fachliche Qualifikation.

Die Frage war oft nicht „Wer kommt als nächstes zum Dienst?“, sondern „Kommt heute überhaupt jemand zum Dienst?“

Es musste eine andere Lösung geben – Das persönliche Budget

Das Persönliche Budget – Ein anderer Weg

Mit dem Persönlichen Budget eröffnete sich eine Möglichkeit, die Versorgung anders zu organisieren.

Statt ausschließlich von den Personalentscheidungen und organisatorischen Abläufen eines Pflegedienstes abhängig zu sein, ermöglicht das Persönliche Budget im Arbeitgebermodell, ein eigenes Team aus Pflege- und Assistenzkräften zusammenzustellen.

Die pflegebedürftige Person wird dabei selbst zum Arbeitgeber und erhält deutlich mehr Einfluss darauf, wer sie versorgt und wie die Unterstützung im Alltag gestaltet wird.

Für Paul bedeutete dieser Ansatz vor allem eines: mehr Selbstbestimmung trotz schwerster körperlicher Einschränkungen.

Gleichzeitig zeigte sich aber auch, wie anspruchsvoll dieser Weg sein kann. Anträge, Verhandlungen mit Kostenträgern, Personalorganisation, Arbeitsverträge und Lohnabrechnungen stellen Betroffene und Angehörige vor enorme Herausforderungen.

Das Persönliche Budget schafft Freiheiten. Doch damit diese Freiheiten tatsächlich genutzt werden können, braucht es Menschen, die bei der Umsetzung unterstützen.

Aus Pauls Geschichte entstand eine Idee

Paul verstarb 2015 im Alter von nur 25 Jahren.

Sein Tod hinterließ eine große Lücke. Doch seine Geschichte und die Erfahrungen rund um seine Versorgung wirkten weiter.

Auch wir beschäftigten uns intensiv mit der Frage, warum Menschen mit schwersten Erkrankungen so häufig um eine selbstbestimmte Versorgung kämpfen müssen. Die Erfahrungen aus Pauls Leben hatten deutlich gemacht, welche Möglichkeiten das Persönliche Budget bietet – aber auch, wie viele bürokratische und organisatorische Hürden auf dem Weg dorthin liegen.

Daraus entwickelte sich eine Idee:

Wie können wir erreichen, dass mehr Menschen nicht von einem Dienstleister gepflegt werden, sondern ihnen jemand dabei hilft, ihre Pflege eigenständig und nach ihren eigenen Vorstellungen zu organisieren?

Ein Unternehmen, das Betroffene und Angehörige durch den gesamten Prozess begleitet. Von der Antragstellung über die Verhandlungen mit den Kostenträgern bis hin zum Aufbau eines eigenen Pflegeteams und der laufenden Verwaltung.

Aus dieser Überzeugung gründeten wir die Ostsee Intensivpflege.

Bewusst nicht als klassischen Pflegedienst, sondern als spezialisierten Beratungs- und Assistenzdienstleister für das Persönliche Budget.

Was von Paul geblieben ist

Heute begleitet die Ostsee Intensivpflege Menschen mit komplexem Pflege- und Assistenzbedarf bundesweit auf ihrem Weg in eine selbstbestimmte Versorgung.

Was damals aus persönlichen Erfahrungen und dem Wunsch nach Veränderung entstand, ist inzwischen zu einem Unternehmen gewachsen, das zahlreiche Menschen und Familien unterstützt.

Doch bei allem Wachstum ist der ursprüngliche Gedanke geblieben:

Nicht der Mensch soll sich den Strukturen der Pflege anpassen müssen. Die Pflege muss sich an den Bedürfnissen des Menschen orientieren.

Paul hat die Gründung unseres Unternehmens nicht mehr erlebt. Dennoch ist seine Geschichte untrennbar mit unserer verbunden.

Sie erinnert uns daran, warum wir jeden Tag tun, was wir tun.

Und daran, dass Selbstbestimmung keine Frage des Gesundheitszustandes sein darf.

Danke, Paul.

Pauls letzter Tag